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Wäre sie orange, würde man sie für eine Karotte halten. Wäre sie rund und dick, würde man eine Sellerie in ihr erkennen. In Wirklichkeit hat sich die Pastinake aber eigentlich den Ruhm ihrer eigenen Qualitäten verdient. Ihre Popularität hält sich in Grenzen. Viele Menschen ziehen fragend die Augenbrauen hoch, wenn man sie auf die Pastinake anspricht. Dabei hat sie schon eine Schärpe getragen und durfte sich 2011/2012 das ‚Gemüse des Jahres‘ in Deutschland nennen. Gründe gibt es reichlich, die Pastinake einmal richtig vorzustellen. Und das tun wir jetzt auch!

Ein echt altes Gemüse

Auch wenn wir sie nicht so richtig kennen, blickt die Pastinake auf eine lange Geschichte zurück. Schon im Römischen Reich zählte sie zu den beliebtesten Wurzelgemüsen. Im 14. Jahrhundert schrieb man ihrem Saft sogar Heilkräfte gegen die Pest zu. Schnell wurde aus der Pastinake die Pestnacke. Ihr hohes Ansehen auf den Tellern unserer Vorfahren beweist das ‚Capitulare de villis vel curtis imperii‘. Das ist nichts Geringeres als die Landgüterverordnung Karl des Großen. Genau darin schrieb der Kaiser den Anbau von Pastinaken sogar vor. Später bekam die Pastinake deutliche Konkurrenz. Karotte und Kartoffel liefen ihr in Deutschland den Rang ab. Den erobert sie sich aber gerade wieder zurück. Pastinaken liegen bei Kennern im Trend.

Widerstandsfähig und bescheiden

Im März beginnt die Lebensgeschichte der schmackhaften Wurzel. Dann findet die Saat ihren Platz auf dem Acker. In den nächsten zwei bis drei Wochen keimt sie im Boden. So richtig kräftig wächst die Pastinake von Juni bis in den September hinein. Ab Oktober ist Ernte. Im Verhältnis zur Karotte kommt die Pastinake mit mehr Feuchtigkeit gut klar. Selbst Frost kann sie nicht wirklich stören. Nur wenige Schädlinge bedrohen ihr gesundes Wachstum. Deshalb kommt das robuste Gemüse gut ohne Pestizide aus.

Powerwurzel

Die Pastinake liefert wichtige Nährstoffe. Dazu gehören Kalium, Magnesium, Calcium, Phosphor, Vitamin B, C und E sowie Folsäure. Natürlicher Zucker, Stärke und Pektin sorgen für ein langanhaltende Sättigung bei wenig Kalorien. Das alles wusste Karl der Große wahrscheinlich noch nicht so genau, traf aber mit seinem Erlass der Anbauverpflichtung eine goldrichtige Entscheidung für die Ernährung des Volkes. Einen Erlass brauchen wir nicht. Uns überzeugt die Powerwurzel mit ihren Vorzügen.

Genussvielfalt

Das Herbst- und Wintergemüse schmeckt leicht süßlich, dabei würzig und nussig. Die Pastinake bietet jede Menge Zubereitungsvarianten. Sie reichen von einfacher Rohkost über Pastinakenpuffer, -püree, -suppen in Verbindung mit anderen Gemüsen bis hin zum Auflauf oder zur Quiche.

Unser Pastinakenfazit

Hat sich die Pastinake einen Platz auf unserem Teller verdient? Diese Frage stellt sich doch jetzt gar nicht mehr. Natürlich! Es wird Zeit, das Wurzelgemüse in seiner Vielseitigkeit zu würdigen. Eine Schärpe braucht es dazu nicht, aber ein Platz auf unserem Speiseplan wäre ganz wunderbar, nicht für die Pastinake – der wird das wahrscheinlich ziemlich egal sein – wohl aber für uns, unsere kulinarische Vielfalt und eine ausgewogene Ernährung.